Gartenküche

Krautschnecken mit Räuchertofu (vegan)

„Einszweidrei, im Sauseschritt, läuft die Zeit, wir laufen mit.“ (Wilhelm Busch)

Manchmal läuft mir die Zeit fast zu schnell und wenn dann diese Tage überhand nehmen, wo mich die Zeit nur noch mitschleppt und hinter sich her zerrt, dann spätestens wird es Zeit innezuhalten, auszubremsen. Meist funktioniert das mit einem schönen Spaziergang oder einer Runde Gartenarbeit. Aber jetzt, wo die Tage kürzer werden, ist die beginnende Dunkelheit eine Spaßbremse sondergleichen.

Wenn ich dann nach Hause komme, merke ich, wie ich unruhig in der Wohnung auf und abgehe und mich eigentlich nicht ausgefüllt fühle. Trotz des Sauseschritts, der mich tagsüber am Wickel hat. Diese Woche habe ich dem Eiltempo jedoch ein Schnippchen geschlagen. Mit Schnecken. SEHR langsamen Schnecken. Krautig langsamen Schnecken sogar 🙂

Es gibt Menschen, die können gar nicht verstehen, dass es nach einem langen Arbeitstag erholsam und entspannend sein kann, zu kochen. Okay, ich arbeite nicht in einer Küche oder so. So ist es  für mich tatsächlich (natürlich nicht immer), eine Möglichkeit um „runterzukommen“, mit allen Sinnen bei dem zu sein, was ich tue, mit den Händen zu arbeiten, bei mir sein zu dürfen, zur Ruhe zu kommen … alles ein wunderbarer Ausgleich zu Computer, Tastatur und Menschen mit all ihren Bedürfnissen.  Und am Ende dieser Tätigkeit ist dann ein fertiges „Produkt“ und (im besten Falle) ein Gaumenschmaus dazu. Was will ich mehr …

Diese Woche versuchte ich es also mit „Schnecken“. Ich hatte das Wort unterwegs in einer Zeitschrift gelesen: „Krautschnecken“ … und manchmal lassen mich solche Wörter, die einem schon fast appetitlich über den Gaumen rutschen,  nicht los. Also überlegte ich, wie man solche Schnecken wohl umsetzen könnte und war dann natürlich schnell beim „Strudelteig“ angelangt; etwas, was ich bislang noch nicht wirklich versucht hatte (eine „abgeschwächte“ Version davon im weltberühmten Apfelstrudel der Schwiemu schon, aber den stelle ich ein andermal vor). Nein, hier ging es um einen „echten“ Strudelteig, den man ziiiieeehen und deeeehnen muss.

Als Fülle stellte ich mir, passend zur Jahreszeit etwas „Krautig-Deftiges“ vor, rauchig gar, was mich als Vegetarierin zum Räuchertofu führte. In der Speisekammer lagerten noch zwei kleine Köpfe Spitzkraut. Das mag ich besonders gerne. Ich blätterte also durch verschiedene Rezepte und notierte mir (wie immer) unterschiedliche Eckdaten. Rausgekommen ist dann  folgendes Rezept:

Krautschnecken mit Räuchertofu (vegan)

Zutaten:

Für den Strudelteig:

300g Mehl (ich hab Dinkelmehl genommen)

120ml Wasser (lauwarm)

1 Eßl. Apfelessig

Salz

50ml (neutral schmeckendes) Öl

Zubereitung:

Alle Zutaten mit dem Handrührer (Knethaken) zusammenrühren und so lange kneten, bis der Teigball schön geschmeidig ist. Vorsicht mit dem Wasser. Ich hatte gleich alles zugegeben und musste mit Mehl nachbessern. Also lieber langsam. Scheint mit der Mehltype zusammenzuhängen. Wenn der Teig gut ist, ein paar Tropfen Öl auf die Hände geben, den Teig einölen, mit Folie einwickeln und eine Stunde ruhen lassen.

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Zutaten für die Füllung:

Spitzkohl in feine Streifen geschnitten

Drei Zwiebeln (kleingehackt), drei Knobizehen

Räuchertofu (gewürfelt)

Salz, Pfeffer, Kümmel, Muskat, Olivenöl zum Anbraten, brauner Zucker zum Karamellisieren, Spritzer Apfelessig

Zubereitung:

Räuchertofu und Zwiebeln in Olivenöl anbraten, mit dem Zucker karamellisieren und mit einem Spritzer Apfelessig ablöschen. Das fein geschnittene (oder gehobelte) Kraut dazugeben, die Gewürze dazugeben und weich dünsten. (Könnte ich mir gut mit etwas Weißwein vorstellen. Hatte ich aber nicht da, und habe etwas Wasser genommen).

Dann die Fülle abkühlen lassen.

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Nun wurde es heikel 🙂

Zuerst habe ich den schön geschmeidigen Strudelteig auf einem bemehlten Geschirrtuch vorsichtig ausgerollt. Dabei wurde mir klar, dass (wenn ich ihn so dünn hinbekomme, wie ich wollte), das Teil VIEL zu groß für mich würde. Einmal zum händeln, aber auch zum Essen. Ich habe ja keine Großfamilie, sondern nur Monsieur und mich selbst zu versorgen. Also habe ich den Teig geteilt und die eine Hälfte gleich eingefroren. Passt auch, dann ist da mal ein schnelles Essen drin 🙂

Den ausgerollten Teig ließ ich noch etwas nebenher ruhen, während die Fülle auf dem Balkon abkühlte (war bei abendlichen warmen 16°C nicht ganz so easy). Meine Lektüre über die strudeligen Besonderheiten hatte mich gelehrt, dass es hier viel um Spannung und Ent-spannung geht. Wie im normalen Leben eben. Von daher ist der Strudel sicher ein optimales Live-Work-Balance-Essen, schließlich wollte ICH mich ja auch dabei entspannen.

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Okay, ich schwafle. WEIL … jetzt wurde es haarig. Die Ehe- und sonstigen Ketten waren abgelegt (laut Lektüre sehr gefährlich für den Strudel) und nun sollte ich mir also das Gebilde über Fäuste und Handrücken legen und sanft ziehen und dehnen. Ich hätte ja hierzu gerne professionelle Bebilderung geliefert, aber Monsieur war mal wieder nicht da und die Katze kann den Fotoapparat nicht bedienen.

Also müsst ihr euch an dieser Stelle selbst vorstellen, wie das Geziehe und Gedehne so vor sich ging. Hatte was von Yoga und Feldenkrais in einem.

EDIT: Das Bild, mit der Teiggröße auf dem Geschirrtuch ist VOR dem Teilen des Teiges! Ich habe also für den Wickel ein halbes Handtuch auf ganze Handtuchgröße gedehnt und gezogen!

Es ging dennoch einfacher als ich dachte. Gut, der Teig riss an ein oder zwei Stellen ein, aber das ließ sich problemlos „flicken“.

Dann ging alles schnell. Fülle drauf, das Handtuch an der Längsseite anheben, da wickelte es sich fast von allein. Fast war ich geneigt, den Strudel ganz zu lassen. Sah prima aus. Aber ich hatte schon das „Rändel“ eingefettet und dafür war die Rolle zu lang. Also wie ursprünglich geplant, Schnecken geschnitten, in das Rändel gesetzt und bei 200°C ca. 25min. gebacken. Zwischendurch habe ich etwas mit Öl gepinselt.

Und was soll ich sagen. Lecker waren sie, die Schneckenviecher 🙂

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Gartenzwerge & grüne Läuse

Kleine Ernten

Eigentlich war heute Gewitter angesagt. Aber wie so oft in diesem Jahr stimmte es mal wieder nicht. Obwohl es den Tag über immer wieder zuzog, sehr schwül und drückend war, verzogen sich die Wolken rechtzeitig zum Ende eines langen und anstrengenden Arbeitstages.

Also noch schnell eine Runde in den Garten, vor allem, weil ich gestern keine Zeit hatte. Kaum zu glauben, dass ich erst vorgestern geschuftet  habe, irgendwie verhext, wie schnell dieses Jahr die „Spontanvegetation“ aus dem Boden schießt. Der Mangold hat in zwei Tagen sicher fünf Zentimeter gemacht. Also, Bohnen häckeln, anhäufeln noch ein paar Tomatenpflänzchen umsetzen. Wie schön, die Bohnen beginnen zu blühen, und tatsächlich hängen winzige Tomätchen an den noch kleinen Pflanzen. Die Erbsen brauchen nicht mehr lange, ich denke, noch ein paar Tage. Es wird. Es wird.

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Unkrauten ist anstrengend, vor allem, weil ich schon seit Wochen „Rücken“ habe 😉 Nun ja, man wird nicht jünger #chch.

Also dazwischen immer mal wieder durchpusten, Riesenpusteblumensamen für Heike suchen. Wiesenbocksbart ist es. Jawollja. Und immer und immer wieder über die kleinen Wunder staunen.

Als ganz besondere Belohnung dann, zum Abschluss eines schönen Tages:

Kleine Ernten

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Auch Düfte und Gerüche kann man ernten, jawoll 🙂

Heute der frische, belebende Biss der Minze, der lieblich blaue Duft des Lavendel , wohltuend und heilsam für Auge und Seele und … last but not least, mein geliebter Kümmel. Herbstduft und Winterwärme. Gespeichert im Juli.

Gartenküche · Schätze Konservieren

Kümmellikör

Wie angekündigt, heute der Ansatz für den Kümmellikör. Dieses Mal habe ich einen Doppelkorn gewählt. Allerdings eine kleine Flasche (ca. 0,5l) , erst mal versuchen, wie das dann schmeckt.

In die Flasche habe ich einen Rest braunen Kandiszucker und etwas braunen Rohrzucker getan (ca. 2 cm hoch), dazu eine Hand voll Kümmel und einen Teelöffel Anissamen. Das Ganze wird nun regelmäßig geschüttelt und ich lasse den Ansatz drei Wochen ziehen. Danach siebe ich ab und lass den Likör ruhen. Soll eisgekühlt sehr gut munden 🙂

 

 

Gartenzwerge & grüne Läuse

Juli – Geht ja gut los

Der Siebenschläfer scheint mal wieder richtig gelegen zu haben. Es bleibt wechselhaft, gewittrig, schwül-feucht, regnerisch.

Der „Spontanvegetation“ gefällt das ausnehmend gut, ich komme kaum hinterher. Immerhin legen auch die Tomaten sichtbar zu und setzen nun schon schöne Früchte an, auch mit den ersten Buschbohnen kann ich die Tage rechnen und die Zuckererbsen nehmen (noch immer) kein Ende. Eigentlich bin ich sehr zufrieden, nur meine Gurken und Zucchini, die wollen einfach nicht recht.

Vor eineinhalb Wochen hatte ich den Kümmel geerntet und zum Trocken gelegt, Nun habe ich gestern angefangen, die Samen aus den Dolden zu rubbeln … Rubbel den Kümmel, sag ich da nur. Eine wahre olfaktorische Explosion, wenn man es denn mag, das Aroma. Ich mag.

Ein wenig mühsam ist es schon, das Rubbeln und Rubbeln, und pusten und sammeln, bis die ganzen Spelzen endlich raus sind. Eine Müslischüssel voll habe ich schon (zum Teil geputzt) … ist aber sicher erst ein Viertel der ganzen Ernte. War viel dieses Jahr. Bin ja im Likörfieber, und Kümmellikör soll … so habe ich mir sagen lassen … auch nicht schlecht sein. Mal sehen 😀

 

Da gestern abzusehen war, dass das Wetter die nächsten Tage wohl nicht so dolle sein wird, habe ich mir vorsorglich etwas Garten mit nach Hause genommen. Muss ja nicht immer Arbeit sein 🙂

Schön, nicht wahr?