Gartenträume · Gartenzwerge & grüne Läuse

Der Küchengarten im Juli 2015

Der August ist angebrochen. Heiß und trocken. Es war so lange kalt im Frühjahr, die Pflanzen hatten einen schlechten Start. Nun holen sie sehr unterschiedlich auf. Die Zucchinis explodieren regelrecht, ich muss täglich abernten. Das muss man sich mal vorstellen, eine große Zucchini wächst über den Tag heran. Krass oder?

Ansonsten haben sich im Juli die Beete schon ordentlich geleert. Trotz der massiven Schneckenplage habe ich sehr viel Kohlrabi geerntet. Eine Menge haben wir gleich frisch gegessen, als Gemüse, als Salat … den Rest habe ich eingefroren und als „Kohlrabenkraut“ verkocht und eingeweckt.

Mit einem Teil dieses gehobelten Krauts habe ich mich das erste Mal an das Thema „Milchsauer“ herangewagt. Hab es mit Salz verknetet, dann abgedeckt vergären lassen und schließlich eingeweckt. Und siehe da. Sehr sehr lecker.

Auch die Zwiebelernte (und auch Knoblauch) war nicht zu verachten. Ich hatte verschiedene Sorten. Im letzten Herbst hatte ich einen Rest Steckzwiebelchen gesteckt, das war die Haupternte. Ordentlich Brocken. Im Frühjahr dann säte ich Zwiebelchen aus, die ich allerdings zum größten Teil so nach und nach als Frühlingszwiebeln frisch gegessen habe. Und noch im Beet stehen ausgesäte Gemüsezwiebeln.

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Langsam werde ich besser im Zwiebelzöpfe flechten 🙂 Die ersten sind schon trocken und liegen in einem Korb. Die eigenen Zwiebeln sind ordentlich scharf, ich weine beim Kochen immer bitterlich.

Viel Freude macht mir mein Tomatendschungel. Ich schaffe es ja nie, die Tomaten ordentlich auszugeizen. Jedes Jahr bin ich voller guter Vorsätze, und dann wuchern die Biester und wenn dann schon alles voll Blüten oder gar Früchtchen hängt, bringe ich es einfach nicht übers Herz, die Nebentriebe so gnadenlos zu kappen. Aber auch wenn es vielleicht einige Tomaten weniger oder kleiner sind. Ich habe das feste Gefühl, dass es den Pflanzen so besser geht. Das üppige Grün schützt sie meines Erachtens vor zu viel Hitze und Trockenheit und macht die Pflanze stark gegen die olle Braunfäule. Und : toi toi toi, dieses Jahr noch alles gut.

Jetzt fangen sie an zu reifen, die ersten habe ich schon weggenascht. Dieses Jahre habe ich eine Menge unterschiedlicher Sorten. Mal sehen, wie sich hier machen. Ich stelle mal einige vor:

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Fleischtomaten. Sehr schwer und „fleischig“ eben
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„Stupice“ eine alte Sorte aus der ehemaligen CSSR. Macht sich gut, Wächst sehr üppig. Eine gute „Allrounder“ Salattomate
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Honduras: eine Bauerntomate aus Südamerika. Spannende Fruchtform. Aber ich habe das Gefühl, sie tut sich etwas schwer bei mir. Eine Pflanze kümmert etwas und obwohl sie sehr wüchsig ist, habe ich den Eindruck, sie fühlt sich nicht recht wohl.
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Eine braune Tomate, deren Samen ich aus einer gekauften Bio-Tomate genommen habe. Bin sehr begeistert. Die Pflanze wächst kraftvoll und üppig. Man muss sie kaum geizen. Die Früchte sind schlicht prachtvoll. Bin gespannt auf die reife Frucht und ihren Geschmack!
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Baumtomate. Vor Jahren einmal eine Pflanze auf einem Markt gekauft und seitdem wächst sie unbeirrt gen Himmel 🙂 Eine Pflanze, die so wuchert, dass sie der Braunfäule einfach davon wächst. Meist habe ich im Herbst noch Kiloweise grüne Früchte, die ich nicht reif bekomme, aber das macht nichts. Zum Kochen schmecken die Nachgereiften bis Weihnachten

Das sind lange nicht alle. Weiter habe ich kleine gelbe Birnchen-Tomaten (Danke, Anne), eine Roma von Sabine, die sich sehr gut macht, meine hier schon öfter erwähnte „Scratchy“, eine Sorte, die sich jährlich verändert und wie eine Wundertüte immer neue Überraschungen birgt. Dieses Jahr unglaublich kräftige Pflanzen, die Geize kann ich gar nicht mit den Fingern knipsen, so stark sind die Triebe und vor allem wachsen die Triebe „siamesisch“, kleben also aneinander, so dass die Pflanze noch stärker wird. Die Früchte sind meist mittelgroß und sehr gesund.

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Mein Tomatendschungel im Zaunbeet 🙂

Auch im Rundbeet habe ich einige Tomatensetzlinge unterbringen müssen,  eine weitere „Braune“, dann noch Salattomaten und unbenamte, eigentlich „Kümmerlinge“ die ich einfach überall im Garten ausgesetzt habe.

Auch das Rundbeet und das Weidenzaunbeet lichten sich ein wenig. Eine erste Runde Rote Beete ist abgeerntet und verarbeitet. Die Zuckererbsen abgegessen. Die Saubohnen hatten leider, trotzdem ich sie schon Ende Januar gesteckt hatte, schlimme schwarze Läuse. Der Butterkohl ist bislang eine Enttäuschung, zumindest für mich. Die Schnecken stehen auf die leckeren Blätter und lassen mir kaum etwas übrig.

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Rundbeet-Ausschnitt mit Schwarzwurzeln, Haferwurzeln, Sellerie und Rote Beete
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Rundbeet-Ausschnitt mit rotem Rosenkohl, Zucchini, einigen Tomaten, dahinter Peperoni, Chili und türkischer Aubergine.
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Abgeerntetes Weidenzaunbeet mit Sellerie, Salat, Gurken, Rote Beete, letzte Kohlrabi und Gemüsezwiebel. Vorne angesät: Späte Möhren.

Eine große Enttäuschung waren meine schönen Paprika, Peperoni und Chilis. Ich hatte Unmengen angesät und großgepäppelt und die elenden Nacktschnecken haben sie fast komplett niedergemacht. Ebenso wie meine Kürbisse und die Melone. Schade, aber nicht zu ändern. Da muss ich mir für das nächste Jahr andere Strategien überlegen.

Ein ähnlich komplizierter Kampf war der um die Bohnen. Ich liebe Bohnen. Die Schnecken auch. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Bohnen ich gesteckt und wieder gesteckt und vorgezogen habe. Und immer wieder war alles abgefressen oder kam gar nicht erst, weil es so lange so kühl war.

Aber ein wenig konnte ich das Schneckenpack mit der schieren Menge austricksen und so beernte ich jetzt einige Buschbohnen, zwei Stangen und mein „Schamanenbeet“ (umrandet mit Bohnenkraut), das spät noch an einer Stelle entstanden ist, an der wir eine dürre Zuckerhutfichte wegnehmen mussten.

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Es ist zwar nicht der Rede wert und reicht gerade einmal zum frisch essen, aber immerhin … BOHNEN 🙂 Yeah.

Ansonsten? Nun ja, die Brombeerernte hat begonnen und unser im letzten Herbst gepflanzte Wein hat tatsächlich drei (wenn auch etwas gagelige) Henkel mit Trauben 🙂 Tapferes kleines Kerlchen.

Meine beiden Blaubeerbüsche, die ich aus dem alten Garten umgezogen habe, machen mir auch große Freude. Sonnenwarme Blaubeeren direkt in den Mund. So lecker. Hier möchte ich die Reihe noch erweitern. Passt gut in meinen Beerengarten.

Auch ein Herbstprojekt wird es, die wilden Himbeeren aus dem Garten zu schaffen, sie tragen leider überhaupt gar nichts. Ich möchte jedoch die wild wuchernden Himbeerinseln weiterhin so haben und versuche das mit Kultur-Herbsthimbeeren. Mal sehen, ob das was wird.

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Auf der Terrasse wachsen kleine Pflanzen von Brokkoli, Erfurter Zwerg (Blumenkohl), Steckrüben und Wintersalat. Vermutlich schon zu spät, aber ich wollte es einfach nicht versuchen. wer weiß, nach dem langen kalten Frühling kommt vielleicht ein langer milder Herbst. Sie kommen auf das jetzt fast abgeerntete Kartoffelbeet und in das leere Zwiebel-Möhrenbeet.

Ganz vergessen habe ich meine vielen Reihen mit Lauch. In meinem Frühbeetkasten habe ich eine Reihe angesät und immer wenn Lücken in den Beeten entstanden, wurden neue Setzlinge ausgebracht. Wenn die alle werden, dann weiß ich, was es den Winter über geben wird 😉 Gut, dass wir alle den Lauch sehr gerne mögen.

Im hinteren Kastenbeet wächst der Neuseeländer Spinat von Sabine. Den will ich aber noch nicht beernten, der soll sich dort aussäen und mir im Frühjahr als Setzlingkasten dienen. Dann kann ich die Pflanzen dahin setzen, wo ich möchte.

So, genug für heute. Alles kann man doch nicht erzählen. Hatte ich hier eigentlich schon erwähnt, dass im letzten Garteneck, beim Haselnussbusch einfach so, mitten auf dem Nichts, grüner Spargel gewachsen ist? Verrückt oder? Ich habe die vier Pflänzchen nun auswachsen lassen und einen kleinen Zaun gezogen, damit ich weiß, wo sie sind. Im Herbst möchte ich versuchen, den Spargel großflächig auszustechen und in ein eigenes Beet zu versetzen. Projekte 🙂 Ich liebe Projekte. Monsieur nicht so sehr. Aber hilft mir trotzdem immer. Der Gute.

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Gartenküche

Suppenwürze — quer durch den Garten

Was tun, wenn im Herbst die letzten Gemüse aus dem Garten kommen. Fragt sich heuer Sabine mit ihrer beeindruckenden diesjährigen Ernte. In meinem Garten steht zwar nur noch der letzte Mangold, aber die schönen Bilder von Sabine erinnerten mich an ein ein wunderbares Rezept für eine Suppenwürze, das ich im letzten Jahr ausprobiert (und für gut befunden) hatte.

Nicht erschrecken, es ist natürlich extrem salzig (also nicht zum direkten „Genuss“ geeignet … aber fertig gekaufte Suppenbrühwürfel, oder -pulver isst man ja auch nicht so. Und selbstgemacht schmeckt es sehr viel besser!

Man kann die Gemüse natürlich auch trocknen, pulverisieren und dann ganz ohne Salz aufheben, aber ich mag diese „frische“ Variante sehr viel lieber. Und ist so simpel herzustellen obendrein.

Suppenwürze

Das folgende Grundrezept ist lediglich ein Beispiel. Die Würze schmeckt letztlich mit allem, was man so an Zutaten reinmischt. Wobei ich finde, dass die „kräftigen“ Zutaten wie Sellerie, Lauch etc. hier nicht fehlen dürfen. Aber sicherlich wird sie immer wieder anders schmecken … je nach dem, was der Garten eben hergibt oder man selbst mag.

Grundrezept

3 Möhren

1 Lauch

4 Zwiebeln

1/2 Sellerie

1/2 Knolle Knobi

roter Paprika

etwas Tomatenmark

Kräuter: Liebstöckel, Petersilie, Schnittlauch …

Salz

Zubereitung:

Alle Zutaten im Mixer stark zerkleinern. Je nach Flüssigkeitsgehalt der Paste die Masse in einem Haarsieb etwas ausdrücken.

Dann 10g Salz auf 100g der Mischung geben, gut durchmischen. In Schraubgläser abfüllen und kühl aufbewahren. (Hält sich ewig! Mindestens ein Jahr.)

Angebrochene Gläser in den Kühlschrank stellen.

Gartenküche

Herbst im Topf … Borschtsch (vegan)

Gut gut, ich muss zugeben, der Spätsommer schiebt sich nun doch langsam und unaufhaltbar in den Frühherbst hinein 😉

So kräftig und bunt die letzten Astern, Sonnenblumen, Stockrosen und Ringelblumen leuchten, so bunt und kräftig ist auch das Gemüse, das derzeit aus dem Garten kommt. Möhren, Rote Beete , Tomaten…

Was liegt näher, als diese Farbenpracht auch im Topf und auf dem Teller einzufangen? Heute einmal in einer kräftigen Herbstsuppe, einem schönen russischen Borschtsch, allerdings in der vegetarischen bzw. veganen Variante. (Vermutlich auch dem Original näher, denn den Borschtsch mit Rindfleisch konnten sich früher sicherlich die armen Leute nicht leisten).

Zutaten:

400g Möhren (ca. 5 mittelgroße)

500g Kartoffeln

500g Rote Beete

500g Weißkohl (ich hatte einen kleinen Spitzkohl)

4 Knobizehen

4 Schalotten (oder Zwiebeln)

4 Eßl. Tomatenmark

2l Gemüsebrühe

Gewürze: Salz, Pfeffer, Zucker, etwas Muskat, 2 Pimentkörner, 2 Lorbeerblätter

4 Eßl. Balsamico, 4 Eßl. Süß-Saure Chilisoße, Worcestersoße (aufpassen, gibt es auch mit „Fisch“)

4 Eßl. Olivenöl

Als Topping:

1 Spritzer Zitronensaft

Frischer Dill

Für die Nicht-Veganer: Auf die Suppe einen ordentlichen Klecks Schmand (Gibt es auch in einer veganen Variante, für den, der’s mag)

…..

Zubereitung:

Alles Gemüse in kleine Würfel schneiden. Den Kohl in feine Streifen.

Zwiebeln und Knobi im Öl andünsten, das gewürfelte Gemüse dazugeben, ebenso mit andünsten. Tomatenmark, Chilisoße, Gewürze dazugeben und mit der Gemüsebrühe ablöschen. Kurz aufkochen, dann den Kohl dazugeben und so lange köcheln lassen, bis der Kohl (das Gemüse) die gewünschte Bissfestigkeit hat. Den Balsamicoessig dazu und noch einige Zeit ziehen lassen. Abschmecken.

Evtl. mit dem Klecks Schmand verzieren, frischgehackten Dill dazu und einen Spritzer Zitronensaft darübergeben. (Hatte ich heute nicht) … servieren. Dazu eine Scheibe kräftiges Brot.

Gartenküche

Kunterbunter Restegratin

Immer wieder stoße ich auf Verwunderung, angesichts meiner vegetarischen Essgewohnheiten. Gar nicht mal wegen der „Sache“ an sich, nein, oftmals ist die Reaktion: „Was isst du denn da?“ oder „Ich wüsste gar nicht, was ich immer kochen sollte.“

Wenn ich mich dann noch „oute“, dass ich kein großer Freund von Tofu und anderen aufbereiteten Lebensmitteln (vegetarisch hin- oder her) bin, also auch selten Veggie-Würstchen, Pasten oder sonstige Fertigfood zu mir nehme, ist das Erstaunen noch größer.

„Ist das nicht schrecklich zeitaufwändig und eintönig?“ … werde ich dann gefragt. Ich kann immer wieder nur betonen: „Nö, gar nicht.“
Es gibt so viel leckeres Gemüse, es gibt, Reis, Kartoffeln, Nudeln. Und da ich normalerweise immer volle Gemüsefächer im Kühlschrank habe, ist auch mein Aufwand beim Einkaufen sicherlich nicht höher, als bei anderen.

Ok. Das Kochen muss einem schon Spaß machen. Was nun aber wieder nichts mit der Entscheidung Fleisch oder kein Fleisch zu tun hat.

Und für alle „mit ohne Ideen“, werde ich jetzt ab und an eines meiner Resteverwertungs-Rezepte hier posten (meist natürlich zumindest zum Teil an die Gartenernte gebunden).

Habe heute auch auf die Uhr gesehen. Vorbereitung: Knappe 30min.  Plus die Zeit im Ofen. Aber die kann man ja anderweitig nutzen. Zum Bloggen oder so.

Zutaten: (Für zwei hungrige Esser) … Gemüseauswahl so, wie der Kühlschrank oder der Garten gerade hergibt. In diesem Fall:

2 Hände voll frische Champignons

1 halbe Zucchini

1 rote Paprika

2 Frühlingszwiebeln

2 kleine Zwiebeln (in Achtel geschnitten)

4 Hände voll Zuckererbsen

2 Knobizehen

1 große Tomate

Salz, schwarzer Pfeffer, etwas Kräuter der Provence

etwas geriebener würziger Käse

6 kleine Rest-Pellkartoffeln

Olivenöl

Zubereitung:

Das Gemüse schnippeln und in einer kleinen Pfanne mit etwas Olivenöl  andünsten (ich beginne immer mit den Pilzen, dann Zwiebeln und den Rest dazu. Ganz zum Schluss die Tomaten, damit es vorher nicht zu nass wird)

Knobi-Zehen pressen und dazu, mit Salz, Pfeffer, Kräutern würzen.

In eine Auflaufform etwas Olivenöl geben, die geschnippelten kalten Kartoffeln hineingeben, die Gemüsemischung darüberschichten, Käse drauf und ab in den Ofen.

Das Gemüse schmeckt mir übrigens auch sehr gut zu Basmatireis. Dann natürlich ohne Käse 😀

Guten Appetit : -)