Kompostereien

Kompoststampfen und Schwarzes Gold : Terra Preta again

Vor einigen Jahren habe ich das erste Mal von der „TerraPreta“ gehört. Dem Schwarzen Gold, Heilsbringer aus dem Amazonas  …oder so. Auch wenn sicherlich nicht alles Gold, was da glänzt so schwarz ist wie die Biokohle, die man dazu braucht, fasziniert hat mich diese Schwarzerde dennoch. Damals habe ich mit kleinen Balkonexperimenten begonnen und einen Komposter im Schrebergarten mit gutem Erfolg befüllt.

Die Versuche liegen nun schon drei Jahre zurück. Ich kann mich aber erinnern, dass tatsächlich ein ungemein „lebendiges“ Wurmgewimmel im Komposter war. Danach musste ich die Experimente einstellen, ich hatte einfach keine Zeit. Immerhin brachte ich brav immer mein Komposteimerchen von Zuhause mit in mein kleines Gärtchen.

Jetzt mit dem Auenland war die Kompostsammlerei (also die in der Stadtwohnung) plötzlich zum Erliegen gekommen und alle guten Abfälle wanderte in die Biotonne im Hof. Die Strecke ist einfach länger und da wir meist das ganze Wochenedne rausfahren, ist das Auto auch immer gut beladen, mit Katze, Essen, sonstigen Dingen. Da hatten wir keine Lust, auch noch den stinkenden Komposteimer mitzunehmen. Oder besser: Monsieur verweigerte schlicht den Transport 😉

Das TerraPreta ließ mich aber nicht los. Im Auenland begann ich mit einem neuen Experiment. Eine große Tonne, die ich mit Deckel gut abschließen kann, wurde mit Grünmasse bestückt, mit etwas Sauerkrautsaft „geimpft“, dazwischen immer etwas Kohlenstaub und feste gestampft. Über die Wochen füllte sich das Fass langsam. Die Idee: Eine Art Milchsäuregärung wird in Gang gebracht, die Kohle „lädt“ sich mit den Mikroorganismen, die sich anaerob entwickeln, auf. Ähnlich wie beim Sauerkraut.

Gleichzeitig habe ich für die Küchenkompostlösung zwei „Bokashi-Eimer“ angeschafft, die Idee ist die Gleiche: Ich sammle alles Organische, mische immer Kohle dazwischen, ordentlich stampfen, ab und an die Flüssigkeit ablassen. Ist der Eimer voll, kommt er mit ins Auenland, gärt dort noch ein wenig, bis der zweite Eimer gefüllt ist. Die vergorenen Abfälle kommen in den großen Kompost und werden dort vererdet. So der Plan.

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Mein erster Bokshi-Eimer ist noch nicht voll. Da passt erstaunlich viel rein. Der Eimer hat übrigens den Härtetest (40°C draußen) in der Küche gut überstanden. Wenn ich neue Abfälle reinmache, dann riecht es beim Öffnen etwas säuerlich, aber nicht eklig und keine Fliegenschwärme mehr, wie beim Komposteimer und keine Maden und kein Schimmel … na, ihr wisst, wovon ich rede?

Aber zurück ins Auenland: Heute war die große Tonne fällig. Die Gärung läuft nun seit ca. drei-vier Wochen. Da ich Platz brauchte, wo ich das „Kraut“ vererden kann, hatte ich kurz überlegt, eine Grube auszuheben. Angesichts  der Temperaturen und des staubtrockenen Bodens, war ich jedoch eher lustlos, dieses erprobet zu beginnen. Eine andere Idee musste her: Einer meiner Komposter ist mittlerweile so zusammengesackt, dass er nur noch halb voll war. Also habe ich diesen leergeschippt, halbgaren Kompostmulch an den Rosenkohl und die Tomaten gegeben und dann meine „Ingredienzien“ rangefahren. Besser gesagt, mein Laborassistent Monsieur hat angefahren, denn die Tonne war so schwer, ich hätte sie gar nicht auf die Schubkarre bekommen.

Neben dem (nun leeren) Kompost packte ich also einen Haufen frischen Häcksel, das grobe Überbleibsel des gelernten Komposters, den Sack Kohlenstaub (BioChar) und meine Tonne.

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Ich war verblüfft: Obwohl die Tonne nun Wochen in der sengenden Hitze stand, stank der Inhalt wirklich überhaupt nicht. Es roch mild sauer, der Grünschnitt war „Sauerkrautählich“ in der Konsistenz. Auf dem gepressten Rasenschnitt war der weiße Mikroorganismus-Boden, ganz, wie in der Literatur beschrieben.

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Nun habe ich also Schicht um Schicht aus der Tonne, dem frischen Häcksel, halb kompostiertem und immer eine feine Schicht Kohlenstaub aufeinandergeschichtet und am Schluss etwas gepresst. Eh voila. Und nun muss ich geduldig warten.

Im Kompost, den ich leer gemacht habe, war übrigens kein einziger Wurm zu sehen und auch fast keine Tierchen. Zu heiß vielleicht? Mal sehen, ob das nun anders wird. Durch die Lektüre und die Beschäftigung mit dem Thema wurde mir übrigens sehr deutlich, welch ein „Schatz“ und Segen ein Stück Erde für uns Menschen ist. Wenn ich dann mitbekomme, wie wir damit umgehen, dann bekomme ich das kalte Grausen. Umso mehr fühle ich mich in der Pflicht, verantwortungsvoll mit dem Fleckchen Erde umzugehen, für das ich mich entschieden habe. „Grundbesitz als Verpflichtung“ oder so 🙂

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Ein Kommentar zu „Kompoststampfen und Schwarzes Gold : Terra Preta again

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