Gartenküche

Quittengelbe Herbsttage

Okay, so ganz so sonnig war es hier nicht. Zumindest nicht an den letzten Wochenenden, die schrecklich verregnet und jetzt auch noch kalt waren. Aber dafür leuchtet das Gelb der Quitten um so stärker, regt der Duft dieser wunderbaren  Früchte um so stärker die Sinne und die ganz zarte Ahnung und Erwartung des Herbstes und des Winters.

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Ich hatte in diesem Jahr die große Freude, eine ganze Steige von den herrlichen Früchten geschenkt bekommen zu haben. Hach. Welch Spaß, im wild-weiten Netz herumzustöbern und zu überlegen, was ich damit so alles machen kann. Selbstverständlich stand ganz oben auf meiner Liste das Quittengelee. Ganz ohne Firlefanz und Shishi … klares Bernstein, reiner Geschmack.

Aus meiner Kindheit kenne und liebe ich es. War, neben der Erdbeermarmelade und der Zwetschgenmarmelade meiner Oma, die so herrliche „Röllchen“ (der Haut) hatte, mein Lieblingsaufstrich auf dem Brot. Vielleicht auch, weil die Gläser streng limitiert waren … Angebot und Nachfrage regelt ja durchaus auch den Geschmack.

Interessanterweise  wurde bei uns der Rest auf den Kompost gegeben oder vermutlich (noch ganz früher) den Hühnern als Schlemmerdessert vorgeworfen. Ich fand das immer schon schade, das Mus oder Kompott mochte ich aber auch nicht. Von daher war klar, mit MEINEN Schätzen wird gehaushaltet … und am Vielversprechendsten klang mir das „Quittenbrot“. Klingt es nicht wie: Ur-Nahrung, Manna pur?

Nach den ersten Tests und Verkostungen kam es im zweiten Rutsch wieder aufs Blech. Und in der dritten Runde wollte ich noch etwas variieren. Habe mit Äpfeln gespielt und da mich der Saft für ein Gelee geschmacklich nicht überzeugt hat, habe ich kurzerhand ein Sirup draus gemacht und DEN wieder finde ich extrem lecker.

Aus dem Apfel-Quittenmus entstanden kleine Müsli-Happen. Der Monsieur ist noch nicht recht überzeugt, da brauche ich noch einige Testesser.

So. Lange Rede, jetzt die Rezepte:

Quittengelee

Hier braucht es vermutlich wenig Ausführungen. Die Quitten von ihrem Flaum befreien (mit trockenen Tüchern oder mit warmen Wasser), dann mit einem scharfen, großen Messer in Stücke schneiden (etwas fies die Arbeit, sind sehr hart die Dinger). Viele schwören auf eine Brotschneidemaschine. Habe ich aber nicht. Es ging auch so. Dann in den Entsafter (habe ich auch nicht), ich habe einen guten Topf mit Siebaufsatz zum Dünsten dazu genommen. Geht aber alles auch mit einem normalen großen Topf, die Fruchtstücke 3/4 mit Wasser bedecken und weich kochen, dünsten. Dann eine Mullwindel (frisch dazu gekauft chch) in ein Sieb legen, den Pamps rein, das Säckchen nach oben falten, einen Kochlöffel in die Öffnung und dann mit einer Hand den Zipfel oben zuhalten, mit der anderen kurbeln. Da die meisten unter uns keine Tentakel haben, geht das am Besten mit Unterstützung 😉 Monsieur und ich waren ein gutes Team.  Mit meinem Siebaufsatz hatte ich unten schon prima Saft und musste gar nicht so viel kurbeln. Feine Sache.

Den Saft abmessen und mit Zucker aufkochen. Ich nehme immer auf 1l Saft 500g Zucker (übrigens immer noch den braunen Zucker, schmeckt mir besser). Das ist mir süß genug. Quitten brauchen keine Gelierhilfe, die haben mehr als genug Eigenpektin. So viel, dass ich meine erste Runde Gelee nochmal aufkochen musste, da es eine schnittfeste Sülze wurde (ich mags lieber flüssiger). Die zweite Runde jetzt war wieder etwas zu flüssig, aber da warte ich ab, das dickt nach. Also so lange kochen, bis die Gelierprobe gelingt, dann in Gläser und …naja, das übliche Gedöns bei Marmelade eben.

Quittenbrot

Für das Quittenbrot den Pamps, der nach dem Entsaften übrig bleibt, entweder durch die Lotte drehen oder durch ein Haarsieb streichen. (Achtung: workout ist ein Scheiß dagegen)

Das Mus abwiegen und Zucker dazu geben (bei mir wieder 2:1). Dann in einem Topf aufkochen (immer rühren sonnst brennt es an) und zwar so lange kochen, bis beim Rühren mit dem Kochlöffel eine „Straße“ gezogen werden kann. Das Mus auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen (Teigkarte klappt prima). Ca. 0,5 cm. Dann in den Backofen, bei max. 100° (am besten Umluft und Türe einen Spalt offen) trocknen. Man kann es wohl auch energiearm über Wochen im Zimmer trocknen (das haben mir alte Kochbücher von 1897 und 1904 verraten) aber ich zog die Energieschleuder Herd vor 😉

Wenn der Fladen gummiartig wird und oben schon etwas trocken, auch mal wenden und wenn die Konsistenz anfassbar ist, in kleine Happen schneiden. Ich habe die Stücke dann noch in grobem Zucker gewuzzelt und eine Portion in Kokosflocken (die gezuckerten fanden wir besser). Auch mit Vanillezucker war nicht schlecht und ich habe überlegt, ein paar auch mal mit schwarzer Schoki zu lackieren 🙂

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Apfel-Quitten-Müsli-Happen

Nachdem das Quittenbrot so lecker geworden war, habe ich überlegt, ob das auch mit Apfel-Quitte geht. Habe also von der Menge her 1:1 Apfel und Quitte (ca. 5 Quitten und fünf Äpfel) gestückelt und wie oben beschrieben entsaftet. Das Mus dann durchgestrichen. Diesmal schwebte mir aber etwas Richtung Müsli-Riegel vor. Also zwei Hand voll Cashew-Kerne, eine Hand Mandeln grob gehackt und in der Pfanne etwas angeröstet. Ebenso eine Hand voll Sonnenblumenkerne, eine Hand Haferflocken, und eine Hand Kokosflocken. Dann wieder 2:1 Zucker in das Mus und wie oben beschrieben einreduziert. Die Kerne untergerührt, auf das Blech gestrichen und getrocknet.

Apfel-Quitten-Ingwer-Sirup

Der Saft von der Apfel-Quitten-Mischung schien mir zu indifferent für Gelee. Aber interessant genug für Sirup. Also habe ich wieder 2 Teile Saft, ein Teil  Zucker vermischt und noch eine ordentliche Knolle Ingwer mit der Knoblauchpresse „entsaftet“. Dazu ein Hauch Vanille. (Das durchgedrückte Ingwermus habe ich in einem Gläschen gesammelt und mit Zucker bedeckt. Mal schauen, da lässt sich sicher was draus machen und wenn es nur der nächste Ingwerhauch in der Marmelade ist). Alles einmal kräftig aufgekocht und in Saftflaschen eingefüllt.

Der erste Test war schon extrem vielversprechend. Erfahrungsgemäß ist es aber beim Sirup wie beim Likör. Durchgezogen schmeckt er noch mal so gut.

So und nun viel Spaß beim Nachkochen 🙂 und vor allem beim Naschen.

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2 Kommentare zu „Quittengelbe Herbsttage

  1. Deine Inspirationen kommen zur rechten Zeit, Scratchy! Unser Quittenbaum hing heuer voll, und heute morgen habe ich Quittengelee und eine upside-down-quince-tarte für meine Gartenbesucher am Nachmittag gemacht. Ich liebe Quitten! habe noch viele übrig und werde das eine oder andere probieren – danke 🙂

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