Gartenküche

Antizyklisch essen? : Brezeln und Obatzder zu Silvester

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Biergartenfood im Winter? Klar, wenn das Wetter mit mir machen kann, was es will, mache ich mir zu Silvester eben ein klassisches Sommeressen … oder besser: Biergarten-Essen. Passt auch zu Silvester, finde ich 🙂

Vor allem, weil ich absoluter Brezelfan bin. Ich kann eben meine süddeutschen Wurzeln nicht verbergen. Was habe ich das Laugengebäck vermisst, als ich vor fast 15 Jahren in die große Hauptstadt migriert bin! Man kann es sich kaum noch vorstellen, aber damals gab es tatsächlich noch nicht an jeder Ecke einen Stand irgendwelcher Back-Ketten … das ist heute anders, ich wohne auch nicht mehr in der Hauptstadt, aber dennoch in einer Region, in der das Laugengebäck eben „Kettengebäck“ ist. Den Geschmack meiner Kindheit erreicht es nicht. Warum ich also nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, das mal selbst zu versuchen, das weiß ich wirklich nicht. Vielleicht muss man für manche Dinge einfach eine gewisse Altersreife erhalten? 😉

Aber ich vermute Profaneres. Ich las „zwischen-den-Jahren“ (ja, tatsächlich, ich habe Zeit gefunden zu lesen!!!) … unter anderem ein Buch über vegan Leben (das hier) und darin waren auch einige kleinere Rezepte: Unter anderem ein veganer „Obatzder“ und Brezeln. Tataaam, dachte ich, als mein Mund beim Lesen wässerte. Darauf habe ich jetzt große Lust. Wie immer besuchte ich erst die große große Suchmaschine und schaute, welche Varianten es zu diesen Rezepten gibt. Und passte schon im Kopf einiges an. Toll war:  Alles was es dazu brauchte war im Haus (außer dem groben Salz, aber das war kein Problem zu besorgen). Und was soll ich sagen: Waaaahnsinn 😀 Ganz tolles Ergebnis. Wir haben uns mit den Brezeln derart die Bäuche vollgestopft, dass das eigentlich geplante Silvesteressen (Pizza aus dem Restteig) ausfallen musste. Wir konnten nicht mehr.

Auch der vegane „Obatzda“ ist gut gelungen und extrem lecker. Ich habe den Test gemacht und eine Messerspitze konventionellen (fertig gekauften), den ich für Monsieur besorgt hatte, im Vergleich probiert. Das mache ich normalerweise nicht, weil „Vergleichsessen“ irgendwie dämlich ist (und ich das „Original“ meist auch nicht mag).  Hier hat es mich gereizt, weil es gar zu ähnlich aussah. Und was soll ich sagen. Mit verschlossenen Augen wäre ich mir nicht sicher, ob ich den Unterschied geschmeckt hätte. Aber mit einem echt selbst gemachten ist das sicher auch anders, als mit der Fertigware.

Egal, ich mache ja keinen Wettbewerb, sonder probiere einfach aus was mir schmeckt. Und ein Nicht-Veganer hat ja keinen oder wenig Grund, die vegane Variante zu essen. Sodale:  auf vielfachen Wunsch also hier nochmals die Rezepte (modifiziert und an meine Bedürfnisse angepasst. Wer die Originale haben möchte,  siehe oben im Link)

Brezeln:

500g Mehl

ca. 250g lauwarmes Wasser

1/2 Päckchen Frischhefe (Hefe habe ich immer tiefgefroren im Froster. Klappt wunderbar!)

1 Tl. Zucker

1 Tl. Salz

25g Margarine

30g Natron (hatte ich noch ein Tütchen von der Weihnachtsbäckerei übrig)

Grobes Salz

Zubereitung:

Die Hefe mit etwas warmen Wasser, dem Zucker und zwei-drei Eßl. Mehl zu einem dicken Brei anrühren und zum Gehen warm stellen. Das Mehl mit dem Salz vermischen und die Margarine dazugeben. Wenn die Hefe gegangen ist, alles unter Zugabe von weiterem lauwarmen Wasser in den den Teig geben und mindestens 10 Min. mit dem Handrührer kneten. Wenn er sich gut von der Schüssel ablöst, zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, bis er ordentlich aufgegangen ist … ca. eine Stunde.

Teig von Hand nochmal ordentlich durchkneten, evtl. vorsichtig von außen nachmehlen.

Den Teig in gleich große Stücke teilen (ca. Faustgröße)  und Kugeln formen. Nun kam für mich der schwierigste Teil 😀 Brezeln bauen. Meine ersten Versuche sind kläglich gescheitert. Ich hatte so eine vage Erinnerung im Kopf von Bäckern, die elegant lange Teigwürste in der Luft drehten und auf wunderbare Art und Weise Brezeln entstanden. Ähm. Bei mir entstanden nur regenwurmartige Würstchen …

Aber wozu gibt es das Internet. Zwei Klicks weiter war ich schlauer. Eine ca. 50 cm. lange Wurst rollen, dabei die Enden dünner rollen, als das mittlere Teigstück. Die Wurst als U (mit der Öffnung nach unten) auf die Arbeitsplatte legen, die Enden über Kreuz nach oben geben, einmal verdrehen und festdrücken. Ähm. Verstanden? Nein? Dann bitte zwei Klicks weiter in die nächste Suchmaschine „Brezeln selber machen“ und dir wird geholfen, in Bild und Ton und überhaupt 😉

Bald lagen also 10 Brezeln auf der Arbeitsplatte. Zugegebenerweise … etwas kleine knubbelige Brezeln. Die zogen sich immer wieder zusammen, die feigen Dinger. Egal. Das übe ich noch 🙂

In einem flachen Topf habe ich nun einen Liter Wasser mit 30g Natronpulver zum Kochen gebracht und die Brezeln nacheinander ca. 45 sec. mit einem Schaumlöffel in das kochende Wasser gegeben. Danach wieder rausgehoben, auf das Backblech gesetzt und mit grobem Salz bestreut.

(Anmerkung am Rande: Mein Schaumlöffel ist aus Aluminium, altes Familienteil. Leider mal in die Spülmaschine geraten und wie Alu aus der Spülmaschine aussieht, das wisst ihr sicher: Und tatam … Jugend forscht. Oder entdeckt: Laugenwasser macht angelaufenes Alu wieder schön. Als ich mit den Brezeln fertig war, habe ich einfach meine angelaufenen Silberlöffelchen auch noch reingepfeffert. Wieder Tataaam … mit einem Papiertuch ließ sich das schwarze Patina prima abwischen und nun sehen die Teile wieder fein aus).

Zurück zu den Brezeln.

Den Backofen hatte ich schon vorgeheizt: Umluft 220°. Die Bleche in den Ofen und ca. 20-25 min. backen.

Zuerst war ich furchtbar enttäuscht, sie sahen gar nicht aus wie Brezeln. Aber dann, am Ende der Backzeit … juhu.

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So, noch schnell der „Obatzda„:

Hier weiche ich etwas stärker vom Originalrezept ab, das war mir geschmacklich etwas zu fettig.

Zutaten:

1 kleine Zwiebel

50g Margarine

70g veganen Frischkäse

70g weißen Tofu „gerupft“

8 Eßl. Hefeflocken

1 Tl. süßen Paprika, ca. 1 Msp. scharfen Paprika (nach Geschmack)

1 Tl. Kümmel (oder weniger), Salz Pfeffer

Zubereitung: 

Zwiebel fein hacken und in etwas von der Margarine glasig dünsten. In eine Schüssel geben. Frischkäse und Gewürze dazumischen und mit dem Mixer pürieren. Den klein gerupften Tofu dazugeben und kräftig vermischen. Abschmecken. Mehrere Stunden (am besten über Nacht) im Kühlschrank durchziehen lassen. Das war’s auch schon 😀 Guten Appetit.

(Patricia meinte, es sei wichtig auch dem Obatzden eine Ästhetik im Bild zu verschaffen. Zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen, da ich es fast unmöglich finde, diese Ästhetik zu entdecken. Ich habe mir also große Mühe mit dem Bild gegeben. Für dich, Patricia 😉 )

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6 Kommentare zu „Antizyklisch essen? : Brezeln und Obatzder zu Silvester

  1. Wie schwäbische Brezeln mögen sie nicht aussehen, aber sie sind sehr hübsch geworden! Hatte bislang nie den Mut, welche selbst zu machen. Brezeln und Laugenwecken fehlen uns auch seufz. Besuch mzss uns immer eine grosse Tüte mitbringen ;). Wusste gar nichts von deinen süddeutschen Wurzeln? Woher kommst du denn? Alles Liebe für dich im neuen Jahr, Scratchy.

    1. Es ist wirklich extrem simpel, liebe Annette! ich habe viele Lebensstationen, aber ursprünglich komme ich aus dem schwarzwald 🙂 Nicht unbedingt brezel-Eldorado, aber immerhin affin genug 🙂

  2. Brezeln sind einfach lecker..ich möchte Dir aber heute noch ein gutes neues Jahr wünschen..ich musste arbeiten und hatte nicht ganz so viel Zeit, viel Erfolg, bleib gesund und munter, Scratchy!
    LG Sabine

  3. Ein Brezelrezept hatte ich schon mal bei vegan50plus gefunden und am nächsten Tag auch gleich Natron gekauft. Bisher habe ich das Nachbacken nicht geschafft. Aber es steht für das Wochenende ganz groß im Kalender! Ich liebe Brezeln nämlich auch sehr sehr!! Die erinnern mich immer an meine Lieblingsurlaube im Bayerischen Wald. Dazu ein Maß Bier………

    1. Also ich kann nur wiederholen: es war mein „erstes Mal“ 😉 ich war so skeptisch und sie schmeckten einfach und verblüffend „echt“ … habe eben zu Monsieur gesagt, alleine das Schreiben des Blog-Beitrags lässt meinen Mund schon wieder wässern 😀 Erzähl doch mal, ob sie dir gelungen sind!

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